Bei allem Schimpf und Tadel über misslungene PU-Abgüsse sollten Sie beachten, dass jeder Abguss Handarbeit ist und somit auch fehlerhaft sein kann. Ich gehe hier nicht davon aus, dass die Modellvorlage = das Urmodell bereits mit Mängeln behaftet war, was natürlich bewirkt, dass keine guten Abgüsse entstehen können. Vielmehr kann es auch bei sehr gewissenhafter Herstellung der Abgüsse und bei Beachtung aller Regeln zu Problemen kommen. Auch solche „Problemgüsse“ müssen nicht gleich weggeworfen werden. An dieser Stelle geben wir Ihnen einige einfache aber sehr wirkungsvolle Tipps, wie Sie solche mit Mängeln behaftete Abgüsse selbst veredeln können.

Das Teil ist bauchig
Lange Aufbauten, wie Container, neigen dazu, während des Gießens bauchig zu werden. Dies kann auch hin und wieder mit Hilfe von stabilen Stützformen nicht verhindert werden. Je nach Gießmethode sind dann die Wände nach außen gewölbt. Solche bauchigen Wände lassen sich mit etwa 80 Grad C heißem Wasser gerade richten. Dazu bastelt man sich eine geeignete Vorrichtung, in der dieser Aufbau genau passend gelagert werden kann.

Am Beispiel unseres Bausatzes des Erfurter Gefahrgut-Containers wollen wir zeigen, wie solch eine Vorrichtung leicht herzustellen ist: Eine 3 mm starke Kunststoffplatte wird auf etwa die doppelte Größe der Grundfläche des Aufbaues ausgesägt. Aus dem gleichen Material werden etwa 7 mm breite Streifen geschnitten. Diese werden so geklebt, dass der Grundriss, also die exakte Außenkontur der Grundfläche des Containers entsteht. Auf rechtwinkelige Anordnung in den Kanten achten. Wäre der Container nicht bauchig, dann müsste er nun genau in diesen Grundriss passen.

Nach dem Austrocknen der Verklebung wird der bauchige Container in diesen Rahmen „gezwungen“. Die Vorrichtung wird nun mit dem Container in ein etwa 80 Grad C heißes Wasserbad gestellt. Maximal 2 Minuten genügen, damit sich die Wärme des Wassers auf das PU-Material des Containers übertragen hat. Nun nimmt man den Aufbau aus dem Wasser und schreckt ihn mit kaltem Wasser knapp eine Minute lang ab. Durch die Kühlung nimmt der Aufbau die ihm auferzwungene Form an und behält sie bei. Natürlich könnte man den Aufbau auch von Hand unter heißen Wasser gerade biegen. Nachteil, man drückt immer ungleichmäßig, so dass die Außenwände nach dem Abkühlen doch schief sind. In der Regel sind 80 Grad C für die Finger recht unangenehm. Wir haben in Versuchen problemlos sogar 4 mm dickes PU mit dieser Methode gerade richten können. Wichtig ist, je dünner das Material ist, desto weniger lang sollte es der hohen Temperatur des Wasserbades ausgesetzt werden. Sehr dickes Material braucht länger, bis es die Wärme gespeichert hat, daher also länger im Wasserbad lassen. Wichtig ist auch das Abkühlen.
 
Verzogener bzw. falsch entformter Container. Beide Außenwände sind bauchig, also etwa in der Mitte des Behälters nach außen gewölbt. Mit Hilfe einer Richtlehre läßt sich unter Wärmezufuhr diese Bauchigkeit beheben.

 

  



 

 



 

 



 

  

 
Container im Warmbad. Die Wände müssen gleichmäßig erhitzt werden, um das Material biegbar zu machen.

 

  

 
Container sitzt in der Vorrichtung und wird zwangsweise gerade gerichtet. Am Besten jetzt unter kaltes Wasser halten, damit der Erstarrungsprozess beschleunigt wird.